
Sylvia Wagner musste sich beruflich oft durchkämpfen, doch das hat sich gelohnt: Heute ist sie als erfolgreiche Bauunternehmerin tätig.
Aus der Deutschen Handwerks Zeitung"Stehen ihre Frau" auf dem Bau
"Mehr Frauen für männerdominierte Handwerksberufe begeistern", so lautet die Devise der Branche seit Jahren. Doch warum eigentlich, und vor allem wie soll das erreicht werden? Maurerin Laura Attenberger und Bauunternehmerin Sylvia Wagner sprechen über ihren Werdegang und zeigen mit ihrem Beispiel weshalb sich mehr Frauen für einen vermeintlichen "Männerberuf" entscheiden sollten.
Mit Einserabitur ins Bauhandwerk
Als junge Frau auf der Baustelle Beton mischen, Steine schleppen und Mauern hochziehen? Noch dazu als Einserabiturientin? Für Laura Attenberger aus Zenching, Landkreis Cham, die ideale Vorstellung vom Traumberuf. Der Grund dafür? Ihr Onkel, selbst leidenschaftlicher Maurer, der sie als Kind oft mit auf die Baustelle nahm. "Die Arbeit dort faszinierte mich einfach", erzählt Laura Attenberger rückblickend. Als die junge Oberpfälzerin nach dem Abitur schließlich nicht so richtig wusste, welchen Weg sie einschlagen sollte, war es wieder ihr Onkel, der sie zur Maurerausbildung ermunterte. Lange Zeit wäre für Attenberger auch noch ein Studium zur Bauingenieurin in Frage gekommen. Doch nun hat sie sich anders entschieden, im Sommer beginnt die 21-Jährige ihre Weiterbildung zur Maurermeisterin. "Einfach, weil ich den Praxisbezug beibehalten möchte und mir mit dem Meistertitel in der Tasche auch später noch alle Karrierewege offenstehen." Schlechte Erfahrung mit männlichen Kollegen? Die seien ihr bislang zum Glück erspart geblieben. "Dabei ist mir natürlich bewusst, dass sich die Zeiten geändert haben und ich mit meinem Ausbildungsbetrieb ohnehin großes Glück habe."
Schwieriger Start, erfolgreiche Karriere
Ganz so positiv wie bei Laura Attenberger, sah es vor 40 Jahren, als Sylvia Wagner Maurerin werden wollte, nicht aus. Eigentlich hatte die junge Frau, die zuvor bereits eine Ausbildung als Bauzeichnerin absolviert hatte, schon eine Zusage von einem Fachbetrieb für eine Lehrstelle, doch dann: "Weigerten sich die Vorarbeiter dort mich mit auf die Baustelle zu nehmen, einfach weil ich ein junges Mädchen war", erzählt die mittlerweile erfolgreiche Bauunternehmerin aus Traitsching, Landkreis Cham. Davon ließ sich Sylvia Wagner aber nicht aufhalten: Sie machte die Maurerausbildung im elterlichen Betrieb, auch wenn sie gerne neue praktische Erfahrungen anderswo gesammelt hätte, und sattelte anschließend noch ihren Handwerksmeister drauf, den sie als Jahrgangsbeste abschloss. Gemeinsam mit ihrem Mann, den sie im Meisterkurs kennenlernte, übernahm sie den Betrieb ihres Vaters und führte ihn erfolgreich fort. Zudem erweiterte Wagner das Unternehmen: "Um eine Lizenzpartnerschaft mit der deutschlandweit führenden Massivhausmarke ‚Town & Country-Häuser‘", so die Bauunternehmerin. Bis heute realisiere die Hilpl-Wagner Bau GmbH zuverlässig Wohnträume für ihre Kunden, wirbt Wagner.
Bau profitiert von weiblichen Stärken
Laura Attenberger und Sylvia Wagner sind beide sehr glücklich mit ihrem Werdegang. Gerade die Sinnhaftigkeit schätzen beide an ihrem Beruf: "Einfach, weil ich den Umgang mit Menschen sehr mag und unser Bauunternehmen schon vielen zufriedenen Kunden zum sicheren Eigenheim verholfen hat", sagt Wagner. Allerdings dürfe man Nichts schönreden. Die Arbeit könne auch sehr hart und anstrengend, der Umgangston auf der Baustelle noch dazu rau sein. Doch gerade dann kommen Sylvia Wagner, abgesehen von ihrer fundierten Ausbildung und ihrer jahrelangen praktischen Erfahrung auf der Baustelle, vor allem ihre "typisch weiblichen" Stärken, wie ihre ausgeprägte Kommunikations- und Empathiefähigkeit zugute. Auch Laura Attenberger hat die Erfahrung gemacht, dass ihr Chef sie oft in der Kommunikation mit den Bauherren einsetzt: "Einfach, weil ich mich gut in andere hineinversetzen kann und eben gleichzeitig den Praxisbezug habe." So gesehen eine Win-Win-Situation für beide Seiten – Und genau mit dieser Botschaft möchten Attenberger und Wagner für ihr Handwerk werben und gleichzeitig mehr Frauen ermutigen, sich in vermeintliche "Männerdomänen" zu wagen. Laura Attenberger sieht gleichzeitig auch die Männer in der Pflicht: "Nehmt eure Töchter und Nichten mit auf die Baustelle oder die Werkstatt. Zeigt ihnen, welche tollen Möglichkeiten sie haben." Denn nur gemeinsam lassen sich veraltete Rollenklischees weiter aus dem Weg räumen, wovon letztlich alle nur profitieren können, sind sich Laura Attenberger und Sylvia Wagner einig.
Deutsche Handwerks Zeitung
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 14. März 2025.
Als junge Frau Steine schleppen und Mauern hochziehen? Für Maurerin Laura Attenberger der Inbegriff eines Traumberufs, schon seit sie klein war.