Foto: ZDH/Boris Trenkel & Peter Lorenz
Freuten sich in Berlin über den Bundessieg: HWK-Präsident Dr. Georg Haber, die Preisträger Patrick Exner, Emily Hackl und Timo Bucher, sowie HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger (v.l.n.r.).

Deutsche Meisterschaft des HandwerksSpitzenhandwerker mit hohen Ambitionen

Schon bei der Siegerehrung in Berlin war die Stimmung unter den Preisträgern bestens. Die Glasveredlerin (Fachrichtung Schliff und Gravur) Emily Hackl aus Kirchdorf im Wald, der Medientechnologe (Druck) Timo Bucher aus Stamsried und der Technische Modellbauer (Fachrichtung Gießerei) Patrick Exner aus Pyrbaum strahlten um die Wette. Familie, Freunde und Ausbilder waren im Dezember letzten Jahres mit in die Hauptstadt gereist, um ihre Schützlinge hochleben zu lassen. Auch HWK-Präsident Dr. Georg Haber und HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger gratulierten den Preisträgern vor Ort persönlich zu ihrem Bundessieg bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk (DMH), immerhin Europas größtem Berufswettbewerb. „Alle sind da, du bist Repräsentant für dein Handwerk, wirst gelobt für das, was du tust – das macht schon was her bei uns im Dorf“, erzählt Timo Bucher lachend. Bucher sowie Emily Hackl und Patrick Exner, die beiden weiteren Bundessieger aus dem Kammergebiet der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, sind sich einig: ein Handwerksberuf ist etwas Großartiges. Warum? Das haben uns die drei Ausnahmehandwerker im persönlichen Gespräch verraten.



Timo Bucher steigt in den Familienbetrieb ein.
HWK
Timo Bucher steigt in den Familienbetrieb ein.

Timo Bucher

aus Stamsried im Landkreis Cham wurde in eine Handwerkerfamilie hineingeboren. Seine Mutter arbeitet in der Geschäftsführung der Ernst Vögel GmbH, einem Unternehmen im grafischen Gewerbe, das seit über 60 Jahren in Familienhand ist. Mit Timo Bucher steht bereits die nächste Generation in den Startlöchern. „Natürlich will ich den Betrieb eines Tages übernehmen“, sagt er. „Ich liebe meinen Beruf. Er ist vielfältig, kreativ, innovativ. In der Werbetechnik kann man Digitales und Handarbeit perfekt verbinden, deshalb kann ich mir eigentlich nichts Schöneres vorstellen, als in den Familienbetrieb einzusteigen.“ Der 20-jährige Bucher hat seine Lehre im elterlichen Unternehmen absolviert. „Ich wurde aber genauso behandelt, wie alle anderen 37 Mitarbeiter auch“, sagt der Medientechnologe der Fachrichtung Druck. Das Gymnasium hat er nach der zehnten Klasse verlassen. „Denn ich wusste immer, dass ich etwas Praktisches machen will.“ Timo Bucher hat aktuell eine weitere Lehre zum Medientechnologen Druckverarbeitung begonnen. Auch den Meistertitel strebt der junge Handwerker an. Er will sich breit aufstellen, damit er den Familienbetrieb in eine erfolgreiche Zukunft führen kann: „Bücher, Prospekte, Flyer, Rollups, Werbetechnik oder Aufkleber – es gibt nicht viel, was wir nicht bedrucken. Und dafür will ich alles wissen.“ Timo Buchers gesamte Familie war bei der Preisverleihung in Berlin mit dabei. „Ich habe den Stolz in ihren Augen gesehen, das war für mich schon etwas ganz Besonderes“, sagt er. Gleichzeitig will er für seinen Beruf werben: „Medientechnologe ist ein Beruf mit Zukunft.“



Emily Hackl

reiste nicht alleine in die Bundeshauptstadt. Ihr Freund und ihr Ausbilder waren mit dabei. „Und natürlich ist meine gesamte Familie unglaublich stolz auf mich“, erzählt die 19-jährige Bundespreisträgerin. Emily Hackl hat dabei gleich doppelten Grund zur Freude. Die Glasveredlerin erzielte zusätzlich einen ersten Preis beim Kreativ-Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“. Hackl hat ihre Ausbildung in der Glasfachschule Zwiesel gemacht. Mit ihrem Gesellenstück, zwei Weißbiergläser – das eine traditionell, das andere modern gestaltet – konnte sie die Jury voll von sich überzeugen. „Mir ist es wichtig zu zeigen, dass Glas nicht altbacken daherkommen muss, sondern ein Werkstoff ist, denn man richtig innovativ gestalten kann“, sagt die junge Frau, die sich in den nächsten zwei Jahren während ihrer weiteren Ausbildung nach dem Glasschliff jetzt noch dem Thema Gravur widmen wird. Dann hat sie insgesamt fünf Jahre Ausbildung hinter sich, bevor sie ihren Meister zur Glasveredlerin machen will. Hackl ist mit ihrer Berufswahl mehr als zufrieden. Von ihrer Lehre schwärmt die Doppel-Preisträgerin in den höchsten Tönen: „Ich lerne unglaublich viel, kann meine Kreativität voll ausleben und mit meinen Händen arbeiten.“ Ihr Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills – gibt der Handwerkerin zusätzliches Selbstvertrauen: „Der Preis ist für mich etwas ganz Besonderes, ich kenne niemanden der sowas hat“, sagt sie. „Außerdem wird dadurch gezeigt, was wir jungen Handwerker alles können, was für coole Sachen wir machen.“

Emily Hackl kann in ihrem Beruf ihre kreative Ader voll ausleben.
Hackl
Emily Hackl kann in ihrem Beruf ihre kreative Ader voll ausleben.



Patrick Exner will irgendwann seinen Meister machen.
Exner
Patrick Exner will irgendwann seinen Meister machen.

Patrick Exner

hat sich über seine berufliche Zukunft längst seine Gedanken gemacht. Auch der technische Modellbauer will irgendwann seinen Meistertitel in der Tasche haben. „Ich war schon immer ehrgeizig und habe versucht, aus allem das Beste zu machen“, sagt der 20-Jährige. Dabei konnte sich der Spitzenhandwerker aus Neumarkt in der Oberpfalz anfangs unter seinem jetzt erlernten Beruf gar nichts vorstellen. Das änderte sich erst, als er als Neuntklässler in der Realschule ein Schülerpraktikum bei seinem Ausbildungsbetrieb, der Bock 1 GmbH & Co. KG begann. „Spätestens da war mir klar, dass ich ins Handwerk will“, erinnert sich Exner. Im September 2020, gleich nach seinem Realschulabschluss, startete er seine Ausbildung in dem Betrieb, der sich unter anderem auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Produkten der Spritzgieß-, Metallverarbeitungs- und Alugießtechnik sowie die PUR-Verarbeitung (PUR steht für den Kunststoff Polyurethan) und den Werkzeug- und Formenbau spezialisiert hat. Genau diese Vielfalt ist es, die Patrick Exner an seinem Beruf fasziniert: „Ich decke ein großes Spektrum ab, arbeite mit den verschiedensten Werkstoffen, 3D-Druckern und CNC-Fräsen. Da ist wirklich alles dabei und genau das macht mir Spaß.“ Vor allem der Bau von Prototypen hat es dem Bundespreisträger angetan. „Da muss man wirklich seinen Kopf anstrengen, mitdenken und immer individuelle Lösungen finden.“ Patrick Exner wurde ebenfalls von seiner Familie, Freunden und seinem Ausbilder zur Preisverleihung in Berlin begleitet.