Ausbildungsberatung Ausbildung Schlagwort(e): Ausbildung, Ausbildungsberatung, Auszublindende, Auszubildender, Konfliktlösung, Konfliktberatung, Beratung, Werkstatt
m&h Fotografie - Hannes Harnack & Merle Busch
Nachdem die Teilzeitausbildung erst nur für Auszubildende mit Kindern möglich war, ist dieses Ausbildungsmodell nun für jeden zugänglich. Wichtig: Ein Anspruch des Auszubildenden gegenüber dem Betrieb besteht nicht. Das Unternehmen kann sich freiwillig dafür entscheiden.

Berufsbildungsgesetz novelliert

Ausbildung in Teilzeit nun für alle möglich

Handwerksbetriebe in Ostbayern stehen mit Blick auf den Fachkräftemangel längst im Kampf um die besten Köpfe. Dabei zeigen Studien und Umfragen: Für Bewerber spielen die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens und die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben eine immer größere Rolle. Flexible Arbeits- und Ausbildungszeitmodelle sind gefragt. Für Bewerber mit Kindern beispielsweise gibt es schon länger die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung im Handwerk. Doch gibt es diverse andere Gründe, wodurch eine Ausbildung in Teilzeit sinnvoll sein kann. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt: Mit seiner Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) ist es seit Beginn 2020 nun grundsätzlich jedem möglich, eine Teilzeitausbildung zu absolvieren. Im Interview erklärt Michael Knauer, Abteilungsleiter der HWK-Ausbildungsberatung, was sich bei dem Ausbildungsmodell geändert hat, worauf zu achten ist und welche Vorteile Betriebe daraus ziehen können.

Herr Knauer, jeder, der möchte, kann eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren. Ist das so?

Grundsätzlich, ja. Vor der Novelle standen Menschen mit Kindern im Fokus, eine Teilzeitausbildung war nur bei "berechtigtem Interesse" möglich. Dem ist jetzt nicht mehr so. Auch die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen, die Ausübung eines Leistungssports oder ein umfangreicher Sprachkurs, können Anlass sein. Wichtigster Punkt vorab: Ein Anspruch des Auszubildenden gegenüber dem Betrieb besteht nicht. Das Unternehmen kann sich freiwillig entscheiden.

Wenn die Entscheidung dafür gefallen ist, wie funktioniert das Modell?

Generell müssen sich Ausbildungsbetrieb und Auszubildender zu allererst einig über die Reduzierung der wöchentlichen Ausbildungszeit werden. Das regelt der Gesetzgeber nun klar, indem er eine Untergrenze gezogen hat: Die Kürzung darf nicht mehr als 50 Prozent der regulären Ausbildungszeit betragen. Sprich, sie ist abhängig von der betrieblichen Praxis. Es macht also einen Unterschied, ob ein Betrieb eine 38 oder eine 40 Stunden-Woche hat. Neu ist auch, dass die gesamte Ausbildungsdauer um den gleichen Anteil der Verkürzung verlängert werden muss. Eine dreijährige Ausbildung könnte dann 4,5 Jahre dauern.

Ist das Modell starr? Oder können Stunden aufgestockt werden?

Das Modell ist flexibel, die gesamte Ausbildungszeit muss nicht zwingend in Teilzeit erfolgen. So kann es sein, dass werdende Mütter die Ausbildung nach der Geburt des Kindes zunächst in Teilzeit fortsetzen, nach einem Jahr aber wieder in Vollzeit zurückkehren wollen. Das macht die Berechnung der gesamten Ausbildungsdauer mitunter sehr komplex, da die anteilige Verlängerung vorgeschrieben ist. Um den Überblick zu behalten, haben wir einen "Teilzeitrechner" programmiert, der alle Eventualitäten abdeckt. Bei Interesse an diesem Modell macht es Sinn, sich mit unseren Ausbildungsberatern in Verbindung zu setzen, die Kollegen helfen gerne weiter.

Was gilt es noch unbedingt zu beachten, auch in puncto Lohn und Urlaub?

Anteilig der Kürzung der wöchentlichen Ausbildungszeit kann die Vergütung gekürzt werden. In Sachen Urlaub hat ein Azubi in Teilzeit den gleichen Anspruch wie ein Vollzeitauszubildender, sofern nur die tägliche Ausbildungszeit reduziert ist. Reduziert sich die Zahl der betrieblichen Ausbildungstage pro Woche, fällt auch der Urlaubsanspruch in der Regel anteilig aus. Wichtig: Auch, wenn die betriebliche Ausbildungszeit verkürzt wird, die Berufsschule und die Lehrgänge der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung sind in Vollzeit zu absolvieren.

Welche Vorteile bietet die Teilzeitausbildung Betrieben?

Mit der Novelle wurde ein wirkungsvolles Instrument geschaffen, die Ausbildung möglichst flexibel zu gestalten. Und das für alle. Kleinere Betriebe können profitieren, weil sich die Ausbildungszeit passend zur Betriebsstruktur gestalten lässt. Natürlich lässt sich die Ausbildung in Teilzeit für Handwerker, die beispielsweise viel unterwegs oder auf Baustellen tätig sind, schwieriger umsetzen. Doch, wenn sich Betrieb und Azubi auf ganze Tage einigen können, ließe sich das wiederrum lösen. Auch für Kleinstbetriebe, die anfangen wollen, auszubilden und gegebenenfalls geringere finanzielle Kapazitäten dafür frei haben, kann die geringere Ausbildungsvergütung ein Vorteil sein.

 Ansprechpartner

Knauer Michael Fotowerkstatt Gahr

Michael Knauer
Abteilungsleiter

Tel. 0941 7965-186
Fax 0941 7965-281186
michael.knauer--at--hwkno.de



 Weitere Informationen

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